Erotomanie à la Tautou

Erotomanie …hmm, hört sich eigentlich harmlos an, ist es aber nicht …jedenfalls nicht in seiner extremsten Form…

Aber der Reihe nach. Wieso denn heute plötzlich ein Eintrag über eine psychische (Wahrnehmungs)Störung ? Ganz einfach, ich habe vor kurzem wieder mal einen Film angeschaut. Was im Grunde genommen ja auch nichts außergewöhnliches darstellt.
Außergewöhnlich hingegen ist die Art der Täuschung, der ich (anfangs) erlegen bin.
Ich dachte ein Tautou_Film ist ein Tautou_Film ist ein Tautou_Film ist ein …
Da kann also gar nichts “schiefgehen”. Es ist wie eine ganz bestimmte Sorte Eis, die egal wo und wann man sie isst, immer gleich schmeckt. Ok, manchmal  ist da ein etwas seltsamer Nachgeschmack, aber das liegt dann sicher nicht am Eis selbst, sondern an der Eisdiele … dachte ich bisher jedenfalls, naja ….

Es handelte sich also um einen Film mit einer meiner absoluten  Lieblings-Schauspielerinnen …. genau, Audrey Tautou. Mittlerweile habe ich ja schon einige gute (und leider auch schlechte) Streifen von ihr gesehen. Der beste ist sicher
“Zusammen ist man weniger allein” (auch in der Besten-Liste vertreten) und der schlechteste “ Der Da Vinci Code” (dort bleibt sie merkwürdig farblos, ist im wahrsten Sinn des Wortes eine “NebenDarstellerin”).

“Wahnsinnig verliebt” wurde 2002, kurz nach “Die fabelhafte Welt der Amelié” gedreht. Da “Amelié” so ein irrsinniger Erfolg war, ist es verständlich, dass Tautou sich der Gefahr ausgesetzt sah,  für ewig auf die Rolle des liebens_werten, charmanten Pariser Mädchens festgelegt sein zu müssen; und nichts lag da näher als einen Charakter zu spielen, der dem der Amelié völlig entgegengesetzt war, sozusagen ihre große, böse Schwester.
Und so kam es dann wahrscheinlich zu dieser Rollenwahl.
In der ersten Szene von “Wahnsinnig verliebt” kauft Angélique (Audrey Tautou) in einem Blumenladen eine einzige Rose und bitte den Floristen diese Rose an ihren Freund zu schicken …der Händler sagt, dass er dies nur bei einem größeren Strauß Blumen möglich sei, eine einzelne Rose wäre dafür nicht geeignet …doch Angélique besticht den Floristen durch ihr betörendes Lächeln und somit nimmt das Schicksal ihren Lauf …
Erst war ich noch der Ansicht, einen üblichen Tautou_Film zu gucken, das änderte sich aber sobald ich merkte, dass da etwas nicht ganz stimmen konnte. Man bekam nie den Mann ihrer Träume zu sehen, hörte sie immer nur von ihm schwärmen, sogar eine gemeinsame Reise nach Florenz war geplant, doch scheiterte daran, dass Angéliques Freund nicht am Flughafen auftauchte. Alleingelassen und verzweifelt liegt sie dann mit endlos traurigem Blick in ihrem Bett …
Und da wird plötzlich der Blickwinkel oder die Richtung geändert.
Und alles aus der Sicht des “Liebhabers” erzählt. Ein etwas älterer, verheirateter Kardiologe, dessen Frau schwanger ist …
Es ist nicht nur der Blickwinkel, der sich geändert hat, sondern auch die Erzählweise, sprunghaft wird da Vergangenes mit Gegenwärtigem vermischt, bis eine Art Gesamteindruck entsteht …vorher also alles verwirrend und im Laufe des Films dann logisch und erschreckend hellsichtig.
Nach und nach erfahren wir, dass Angélique sich diese Liebe nur eingebildet hat, dass diese Beziehung nur eine Wunschvorstellung ist, die sie jedoch zu immer extremeren Taten führt ( zu Lügen, Mord und sonstigen Handlungen) …bis sie schließlich aus lauter Verzweiflung (möglicherweise auch aus einer gewissen Berechnung heraus, schließlich sind wir geneigt, ihr irgendwann alles zuzutrauen) einen Selbstmordversuch unternimmt. Schließlich ist es aber jener Kardiologe, der ihr (durch Herzmassage (mhmm)und Mund_zu_Mundbeatmung das Leben rettet … was sie natürlich nur noch “wahnsinniger” lieben lässt …

Ok, das Ende will ich an dieser Stelle nicht verraten, wär ja auch gemein…
Jedenfalls ist es keiner dieser üblichen Tautou_Filme ….und das ist eine durchaus positive Überraschung.

Demnächst wird sie übrigens als Coco Chanel zu sehen sein … ähm, wieder ein *typischer*  Tautou_Film ? Ich denke und hoffe nicht …

Was ich gehört habe ? Into the Future _ Bunny Lake