verweiblicht …

Dieser Begriff ist mir gestern eingefallen, als mir bewusst wurde, dass ich so extreme Gefühle habe. Atypische Gefühle vielleicht. Emotionen, die eigentlich nicht so sehr zu einem männlichen Wesen passen. Zugegeben, verweiblicht klingt zuerst einmal negativ, so wie verweichlicht oder wehleidig. Bei mir sind es einfach zu viele Attribute, ein ganzer Haufen von vielleicht nie ganz klar auszumachenden Faktoren, die dazu führen, dass ich mich nicht dazugehörig fühle. Zu diesem *Club der Testosteronen*.

Es hat eine seelische Veränderung mit mir stattgefunden … eine allmähliche Feminisierung. Irgendwie habe ich mich nie als maskulin wahrgenommen, schon als Kind nicht. Und meine Mutter wollte immer ein Mädchen. Ein adäquates Ebenbild ihrer Selbst. Ok., es hat bei ihr zum Glück keine hemingwaysche Ausmaße angenommen. Ich wurde nie gezwungen, Mädchenklamotten zu tragen. Aber irgendwo war dennoch ein ungewolltes Kind. Ich habe mich nie angemessen verhalten. War hyperaktiv, mürrisch, verschlossen und sehr menschenscheu. Ich lebte in meiner eigenen verdrehten und seltsamen Welt.

Ich bedauere es, keine Schwester gehabt zu haben. Kein weibliches Wesen an meiner Seite, dann wäre vielleicht Vieles einfacher und leichter gewesen. Man hätte ein Team bilden können, ein unschlagbares Team, weil man trotz aller geschwisterlichen Streitigkeiten in den entscheidenden Momenten zusammengehalten hätte. Und wir hätten bestimmt rebelliert gegen unsere Eltern. Es lief einiges bei ihnen schief. Fast täglich lieferten sie sich eine kleine, private Apokalypse. Zum Glück gab es da meine Großtante, bei der ich die meiste Zeit wohnen durfte. Sie hat mich erzogen, war Mutter- und auch Vaterersatz und die erste Frau, die ich wirklich geliebt habe. Abgöttisch und ohne mir damals darüber im Klaren zu sein, was für eine großartige Leistung sie da vollbrachte. Nicht nur dass sie mich nicht erzog, sondern eher zähmte, mich auf ihre Art beschützte und mir immer die Geschichten vorlas, die ich am liebsten hörte. Märchen. Aus einem alten, zerschlissenen Zigarettenbilderalbum …Ja, sie war einer der selbstlosesten und einfühlsamsten Frauen in meinem Leben … unersetzlich …Manchmal ist sie noch da, und ich halte Zwiesprache mit ihr. Ich kann sie alles fragen, weil sie auf (fast) alles eine Antwort weiß.

Überhaupt hab ich nie wirklich was mit Jungs anfangen können, mit ihren typischen männlichen Verhaltensmustern und Ansichten. Diesen idiotischen Muskelspielen und Mutproben, sich ständig selbst und anderen beweisen zu müssen, wie stark und unerschrocken man ist …

Eigentlich fühle ich mich immer befremdlich in Gegenwart von Männern. Ich weiß nie, welche Themen ich aufgreifen soll. Ich kenn mich weder mit Autos, mit Fußball, noch mit Technik aus. Ich lese nur Bücher, denke zu viel und bin daher geistig auch oft abwesend. Ich könnte mich einen ganzen Abend über Gefühle, Liebe, Philosophie unterhalten, oder einfach nur schweigend dasitzen und Leute beobachten …. bisher habe ich noch keinen Mann gefunden, der diese Dinge mit mir teilen würde, also muss ich mich zwangsläufig mit Frauen *umgeben* … I´m just kidding … aber wenn ich nicht anfänglich so schüchtern und unentschlossen wäre, würde ich bestimmt auch mehr Frauen kennenlernen … so beschränkt sich mein Umgang mit Frauen leider meist auf virtuelle Kontakte, Blogfreundschaften, mails und auch Briefeschreiben … es fällt mir verdammt schwer, reale Bekanntschaften zu knüpfen …

Trotzdem: ohne Frauen kann und will ich nicht leben …

Was ich gehört habe ? La Roux “In for the Kill”

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