Über meine Eltern zu sprechen, fällt mir schwer … weil im Grunde genommen kenne ich sie gar nicht … in Wirklichkeit haben sie mich nur eine kurze Wegstrecke begleitet …zu kurz und doch unvergesslich …auch wenn ich manches verdrängen will … aber die Vergangenheit holt mich dann doch wieder ein … und das hat jetzt nichts mit Weihnachten an sich zu tun … es ist grundsätzlich so, dass ich oft darüber nachdenken muss (und letztlich auch will), um zu ergründen, wieso alles so gekommen ist … und ob es keine andere Lösung gab ..hmm, gab es denn überhaupt ein Problem … denn wenn man von Lösung spricht, wird ja vorausgesetzt, dass es ein Problem, oder zumindest eine Schieflage gab, die einer Korrektur bedurfte …
Ich nehme an, dass das Leben von Anfang an in einem Ungleichgewicht stand … also kein sicherer Hafen war … für niemand von uns eine Sicherheit bot … meine “Mutter” wurde überredet oder vielleicht auch (von ihren Eltern) überstimmt, die Ehe mit meinem Vater einzugehen …es war ein Arrangement …ich weiß nicht, ob es so was heute noch gibt … in “unserer” nun postmoderen Welt … vielleicht auf dem Land, in der tiefsten Provinz … dort wo keine andere Aussicht ( trotz I_Net und Online_Kontaktbörsen) besteht, mit den “richtigen” Partner in Verbindung zu treten … wo dann die eigenen Eltern die Auswahl über den zukünftigen Ehe(Lebens)partner entscheiden …jedenfalls war es bei meinen Eltern so… und dies dann bestimmt auch ausschlaggebend war, weshalb die Ehe von Anfang an dem Untergang geweiht war …sie waren einfach zu verschieden … meine Mutter eher sehr (christlich)konservativ und extrem häuslich Person ( naja, sie ging nicht direkt in ihrer Mutterrolle auf, eher in der Vorstellung, die damit verbunden war, oder die Vorstellung, der sie gerecht werden musste (in den Augen ihrer Eltern … also ein Teufelskreislauf …)) und mein Vater war derjenige, der seine Arbeit (er war Elektriker) über alles stellte …ein Workaholic (oder er flüchtete in die Arbeitswelt, weil sie ihm mehr Sicherheit als seine Frau und deren “Familie” bieten konnte … oder bereit war zu bieten … ich muss leider immer wieder im Konjunktiv sprechen, da ich es nur versuchen kann, zu rekonstruieren … ich war damals ja nur “mittelbar” beteiligt …ein kindlicher Zuschauer …konnte mir die Ergebnisse, aber nicht die Hintergründe vor Augen führen … ich sah, und begriff nichts …
Die ersten Wochen oder Monate wurde ich von meiner Mutter “aufgezogen” … oder ernährt (wobei sie mich nicht “gesäugt” hat … also mir die Brust gegeben, da sie es für unchristlich empfand, sich eine solch (wörtlich zu verstehende) Blöße zu geben …
Danach war sie immer öfter abwesend … fühlte sich kränklich … vielleicht war sie es teilweise auch … aber andererseits konnte sie in gewissen Situationen sehr gut schauspielern (manipulieren) …komisch, dass ich sie schon als Kind in dieser Hinsicht durchschauen konnte … sie lag dann tagelang mit Migräne im Bett … und alle mussten sich um sie kümmern … beziehungsweise in Ruhe lassen … sie duldete keinerlei Störung …
Naja, mein Vater flüchtete, in dem er immer vortäuschte, arbeiten gehen zu müssen … und wenn er nicht arbeiten ging, war es der Sport (er war in seiner Freizeit Handballer) … und meine Mutter flüchtete sich in erdachte Krankheiten … erst war es Migräne und dann etwas mit der Bauchspeicheldrüse … ich kam zwar manchmal an den Wochenenden zu Besuch zu meinen Eltern … hatte dort sogar ein eigenes Zimmer …aber unter der Woche lebte ich bei meiner Großtante, die dann letztlich auch, ob sie es wollte, oder nicht … für meine Erziehung … oder Nicht_Erziehung verantwortlich war … bei ihr hatte ich alle Freiheiten … positiv wie negativ …sie war viel mehr als meine “Mutter” es je sein konnte … und auch mein Vater entfernte sich immer mehr aus ihrem und meinem Leben … er war genauso abwesend wie meine “Mutter” … nur brachte er mir immer, wenn er mich besuchte oder am Wochenende abholte, eine gewisse Sympathie entgegen …ja, er freute sich, mich zu sehen … mit mir etwas zu unternehmen … und wenn er mich oft auch nur zu einem seiner HandballTuniere mitnahm … ich war stolz auf ihn … in allem was er tat … oder auch nicht tat …
Meine Mutter hingegen empfand mich nur als Störung … als ein Eindringling in ihre Welt der Krankheit ….ich kann mich nur an eine Situation erinnern, in dem so etwas wie Zuneigung in ihr aufflackerte … sie sah abends irgendeine Musiksendung im Fernsehen an …und übersetzte mir dann die Texte der englischen Interpreten ins Deutsche … oder tat sie es nur für sich ? Jedenfalls zeigte sie eine außergewöhnliche Begeisterung … sie saß vor dem TV als wäre es ein Altar … als hätte das Ganze etwas Anbetungswürdiges …als wäre es das Leben …ein LebensErsatz
Naja, als ich 6 oder 7 war, ließen sich meine Eltern dann scheiden … mein Vater hatte schnell eine andere (bessere ?) Frau gefunden … und meine “Mutter” blieb allein mit ihrer Krankheit …
Und ich erstmal noch ein paar Jahre bei meiner Großtante … bis wieder ein neues “Unglück” über uns (meiner Großtante und mir) hereinbrach … aber das ist eine andere Geschichte, die ich irgendwann mal … (oder auch nicht) erzählen werde …
Im Grunde genommen wollte ich nur eine Erklärung abgeben, warum ich dieses Fest der Familie … also Weihnachten … nicht feiern will oder kann … es noch nie konnte …
Auch wenn ich jetzt eigene Kinder habe …und eine Frau, die mich nicht mehr liebt und sich auch bald trennen wird …irgendwie wiederholt sich die Geschichte … nur ein paar Jahrzehnte später …
Was ich gehört habe ? Diesmal nichts …