9. Dez.

Immer noch verschnupft… und müde … und desillusioniert …

a question of time …

Irgendwann musste es so kommen. Das Problem war nur, dass ich es nicht wahrhaben wollte. Es aus meinem Kopf verbannt habe, in der Hoffnung, es würde sich alles von alleine regeln. Oder sich wieder einrenken. So was in der Art. Ich war mir sicher, dass die Zeit uns wieder zusammenführen würde. Ein Happy Ending. Wir nur Geduld haben müssten. Uns Zeit lassen. Viel Zeit. Heute weiß ich, dass ich anders dachte als sie. Emotional. Nicht rational. Ich habe mich ihrer Wirklichkeit entzogen. Für sie war unsere Beziehung mit dem Tag als ich auszog zu Ende. Aber hätte ich denn NICHT ausziehen sollen ?! Hätte sich dadurch etwas geändert ? Oder wäre es auch nur ein Aufschub gewesen ? Hätte ich einfach nur da bleiben sollen ? Bei ihr ? Noch mehr kämpfen ? Ausharren ? Aushalten ? Es ertragen, dass sie während der Zeit, in der ich noch bei ihr war, keine Nacht mehr in unserer Wohnung verbracht hat ?
Sie vor mir, und vor dem, was wir noch hatten (dieser letzte undefinierbare Rest) geflohen ist . Zu einem Anderen ? Jemand, den sie vorgab an meiner Stelle zu lieben …

Hätte ich …. ?

Ich war blauäugig, ein Träumer, der alles mit einer dicken Schicht Selbstironie und viel zu oft auch Selbstmitleid überspielt hat. Und jetzt erlebe ich so etwas wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Sie sagt, dass sich nichts ändern würde. Zwischen uns. Das alles beim Alten bliebe. Es sei nur ein Papier. Offiziell. Und finanziell.

Alice hat heute die Scheidung eingereicht. Für mich ist es wie ein Erdbeben mit 1000 kleineren, unkontrollierten Nachbeben. Atemraubend. Betäubt. Kopflosmachend. Ich habe keine Sprache mehr. Und ich weiß nicht mehr, was ich denken soll. Ob ich überhaupt denken soll. Und wie ich denken soll. Was angemessen wäre. Ob ich traurig sein sollte, auch wenn ich die Tränen schon jetzt kaum mehr zurückhalten kann.
Ob ích vielleicht jemanden anrufen sollte, nur um zu reden. Reden, um zu reden. Aber ich habe niemanden. Niemanden, den es interessieren könnte.

Und vor allem, frage ich mich, ob es nicht doch noch eine allerallerletzte Chance für Alice und mich geben könnte. Nur wie sollte die aussehen … welcher falschen Illusion würde ich mich dadurch jetzt am liebsten hingeben ?

Ein nie endender Traum, aus dem es kein Erwachen gäbe … einfach schlafen bis ans Ende aller Zeiten, bis alles vorbei ist . Und nie mehr sprechen müssen, keine Erklärungen abgeben, keine Wünsche äußern, einfach verstummen … weil alles so schwer geworden ist. Das Sprechen, Denken, NichtDenken,. Fühlen, NichtFühlen, …. alles hat ein anderes Gewicht … hat das Gleichgewicht verloren … und nichts scheint mehr wirklich wichtig …

Mängelexemplar

Wenn man gleichzeitig (besser gesagt zur selben Zeit, aber an verschiedenen Orten) ein Buch liest -so wie Kittynn und ich- macht man oft ähnliche Erfahrungen. Vor allem, wenn man einen ähnlichen Geschmack hat. Und so habe ich, genau wie Kittynn anfangs auch mit der Protagonistin Karo aus Sarah Kuttners Roman “Mängelexemplar” relativ gut und problemlos identifizieren können. Sie wird als etwas schräge, liebevoll chaotische junge Frau etabliert. Das übliche: Beziehungsstress, irgendwann dann aber auch männer- und joblos. Gleich auf den ersten Seiten des Buches wird klar, dass diese und andere Probleme ernste psychische Störungen nach sich ziehen. Karo begibt sich in psychologische, irgendwann dann auch in psychiatrische Behandlung. Einerseits offiziell bestätigt, andererseits selbst diagnostiziert, leidet sie unter einer depressive Verstimmung, dann einer echten Depression und schließlich, oder parallel dazu unter Panikattacken. So ganz klar wird das eigentlich nie. Irgendwie scheint sie an allem zu leiden. An sich selbst, der Welt und an ihrem sozialen Umwelt. Ab einer gewissen Zeit hat sie nach eigenen Angaben sogar “Angst vor der Angst”. Aber sie tut alles, um diese Kopfkrankheit wieder in den Griff zu bekommen. Sie nimmt Pillen, zieht für kurze Zeit wieder bei ihrer Mutter ein, holt sich ein paar (Über)lebenstipps bei einem sehr engen Freund, macht sich dazwischen immer wieder selbst Mut, hat eine sogenannte Übergangsbeziehung und zum Schluss dann vielleicht endlich auch wieder einen festen Liebhaber. Ob es ein Happy End ist ? Ich denke eher ein Open End, das nach einer Fortsetzung verlangt.

Das Faszinierende, gleichzeitig aber auch Verstörende, ist die Sprache des Buches. Die Icherzählerin wechselt -wenigstens ist es mir so vorgekommen- von Kapitel zu Kapitel ihre Stimmungen. Und damit auch den Einsatz ihrer sprachlichen Mittel. Einmal sehr selbstironisch, im nächsten Moment aber wieder ernst und traurig, ab und zu dann auch seitenweise selbstmitleidig. Kann sein, dass es ihre derzeitigen psychischen Gemütszustände widerspiegeln soll. Für mich war es ab einem gewissen Punkt jedoch ziemlich anstrengend und auch nervig. Und die psychischen Störungen, wenn auch immer drängender und bedrohlicher, hatten spätestens ab Seite 150 Wiederholungscharakter. Nur Variationen über ein- und dasselbe Thema.

Hm, bin ich zu streng ? Oder anmaßend ? Ich weiß es nicht. Kann sein, dass ich deshalb so streng bin, weil ich selbst mal von Panikattacken beherrscht wurde. Und einen ähnlichen Leidensweg hatte. Und ich mich in den Beschreibungen dieser Zustände sehr gut wiedererkennen kann. Zu gut vielleicht. Und weil ich Karos Art ihre Krankheit ironisch, manchmal auch etwas herunterspielend, ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr ertragen konnte. Alles was sie sagte, war entweder falsch, oder traf mich genau dort, wo ich mich nicht treffen lassen wollte.

Was bleibt ist ein Buch, das mir mehr wegen der Thematik als der Sprache in Erinnerung bleiben wird. Aber das ist ja auch schon was …

Und es ist hoffentlich nicht das letzte Buch, das Kittynn und ich gelesen haben. In diesem Zusammenhang möchte ich auch darauf aufmerksam machen, dass wir zu jeder Zeit neue Leseinteressierte aufnehmen. Denn auf Dauer wäre es schon ein bisschen seltsam und einsam , einem exklusiven Buchclub mit nur zwei Mitgliedern anzugehören…

Was ich gehört habe ? “Meddle” Little Boots

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